26.02.2019

Amateurfußball-Kongress in Kassel

Der Amateurfußball-Kongress in Kassel ist Geschichte. Drei arbeitsreiche Tage liegen hinter den Delegierten und es ist viel diskutiert worden und beschlossen worden. Unser Jugendkoordinator war Delegierter und mit der Thüringer Delegation vor Ort und wir haben ihm, wie schon vor dem Kongress, auch jetzt wieder drei Fragen gestellt.

Wie war der Amateurfußball-Kongress aus Deiner Sicht und wie sieht Dein erstes Fazit aus?

Mit etwas Abstand betrachtet überwiegt die Enttäuschung. Positiv ist, dass der DFB versucht hat mit der Basis ins Gespräch zu kommen und es eine imposante und interessante Veranstaltung war. Aber, aus meiner Sicht, gab es zu viele Podiumsdiskussionen, zu viele Vorträge von Wissenschaftlern in einem wissenschafts- und politikdenglisch, was schwer zu verstehen ist, zu wenig Möglichkeit des Austausches der Vereinsvertreter untereinander, zum Beispiel zu Praxisbeispielen aus anderen Vereinen und zu wenig Möglichkeiten zur Diskussion und zum Aufzeigen der wirklichen Probleme der Basis. Ich hatte und habe das Gefühl, das ich von den Verbandsebenen dominiert worden bin und kaum eine Chance hatte meine Themen zu platzieren.

Ich möchte aber auch sagen, dass die Thüringer Delegation sehr gut zusammengesetzt war, wir alle, trotz des Stresses, Spaß hatten und wir intern die Möglichkeiten zum Austausch und zum Reden über unsere Probleme intensiv genutzt haben. Ich denke das hat uns allen am meisten gebracht und wird vielleicht die ein oder andere Verbesserung bringen.

Was ist aus deiner Sicht das wichtigste Ergebnis?

Da ist zum einen die angedachten und hoffentlich bald realisierten Veränderungen in der Qualifizierung der vorhandenen Trainer*innen in den Vereinen. Hier soll es in Zukunft die Möglichkeit des „Blendend Learning“ geben, ich lerne also online, zu Hause am Rechner und habe weniger Präsenszeiten an zentralen Orten und die Zeiten, zu denen die Angebote der Ausbildung stattfinden, sollen flexibilisiert werden und an die Bedürfnisse der Vereine und ehrenamtlichen Trainer angepasst werden.

Zum zweiten ist es das Vorhaben das Ehrenamt zu stärken. Hier ist die Einführung eines Rentenpunktes für ehrenamtliche Arbeit diskutiert worden, übrigens ein Vorschlag aus Thüringen, der für viel Begeisterung gesorgt hat. Oder eine Veränderung des Haftungsrechts für Vereinsvorstände oder die steuerliche Behandlung von Vereinen durch die Finanzämter. Auch wichtige Themen für die Vereine.

Wie geht es jetzt mit den Ergebnissen weiter?

Der DFB wird jetzt mit der Steuerungsgruppe und hoffentlich unter Einbeziehung der Landesverbände und Masterplankoordinatoren der Länder den Masterplan für 2020 bis 2024 erarbeiten und zur Diskussion stellen. Das soll wohl sehr schnell passieren um diesen dann auf dem DFB Verbandstag zu beschließen. Ich hoffe aber, dass die Basis trotzdem hier weiter einbezogen wird, denn die Problemlagen der Vereine in Deutschland sind vielschichtiger und völlig unterschiedlicher. Eine einheitliche Lösung kann es hier als nicht geben und das muss berücksichtigt werden, damit sich niemand abgehängt fühlt. Das ist hier auch sehr deutlich geworden.